leuchtkind

Samstag, April 19



schlaflos....

die vierte nacht, wo ich morgens um vier tätschwach bin, so eine scheisse (sprachzensur ist noch im schlafmodus). die ganze woche habe ich mich bei der arbeit halbgar durch den tag geschleppt und fühlte mich total erschöpft. interessanterweise sah das keiner - ich bekam sogar speziell viele komplimente im stile: "du siehst aus wie das BLÜHENDE leben!". entweder die leute lügen oder wenig schlaf ist meinem aussehen zuträglich...

da der tv im schlafzimmer steht, wo meiner schnarcht schläft, bleibt nur nach das internet, um die zeit tot zu schlagen. ich könnt auch wieder mal lesen, eigentlich. aber irgendwie ist lesen nachts um vier deprimierend (nicht das bloggen nachts um vier nicht deprimierend wäre, aber logik nach nur vier stunden schlaf kann niemand verlangen).

nachdem niemand, ausser ein anderes unter hormonen stehendes muttertier, den onanierenden frosch im letzten post lustig fand, sollte ich wieder dazu übergehen, unmissverständlichere posts zu posten. und deshalb eine info von der babyfront. wir haben in dieser frage nun entschieden (per münzenwurf). klein-leuchtkind wird ab august in einem teutonia spirit s3 rumkutschiert (das passt irgendwie, denn der papa fährt einen audi s3 - wie der vater so der sohn oder so). und jetzt nutz ich die gelegenheit und geh wieder mal auf den fanforen von colin firth surfen. vor lauter arbeiten kam ich in den vergangenen monaten gar nicht mehr dazu mich up-to-date zu halten. so schlaflose nächte haben also doch noch vorteile...

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Freitag, Februar 1



chuchichäschtli, ricardo und meine nerven

vor gut zwei wochen habe ich auf ricardo dieses alte chuchichäschtli ersteigert. ich hatte schon so lange ein solches gesucht, dass mich auch die tatsache nicht abgeschreckt hat, dass man das teil in basel abholen muss. für solche fälle gibt es ja ricardo-trans, oder?

die moderne neue welt des internets ist nun so, dass man nicht telefonisch einen kostenvoranschlag einholen kann, sondern alles über vorgefertigte e-formulare läuft. so weit so kompliziert.

ich fülle also ein formular aus, um einen kostenvoranschlag zu bekommen. den bekomme ich allerdings erst, wenn die verkäuferin des angebots dem einsatz eines transportservices zustimmt. als diese auf dem vertrag (vertrag? wieso vertrag? ich wollte nur einen kostenvoranschlag!) liest, dass sie das risiko trägt, falls ich das möbel nicht entgegennehmen will, besteht sie darauf, dass ich selber das möbel abhole *kreisch*

ich versuche mich in interkantonaler gewaltfreier kommunikation und verspreche ihr, dass ich das möbel auf JEDEN FALL nehmen werde und bezahle als beweis dafür das chuchichäschtli im voraus.
also gut. heute endlich kam der ersehnte kostenvoranschlag für den transport und drei termine, an welchen der transport stattfinden könnte. einer davon war gestern (...), die zwei anderen nächste woche. ausserdem MUSS ich am abhol- und lieferort jemanden organisieren, der bei auf-und abladen hilft. ob da die komplizierte baslerin drauf einsteigt? und wer soll mir hier in zürich helfen? ich wollte doch grade deshalb einen transportservice, damit ich NICHT schwer tragen muss? (ob man mein fluchen bis nach basel hört?)

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Mittwoch, Oktober 10



"ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."

... sagte max liebermann, beim betrachten eines fackelzugs zu adolf hitlers machterübernahme.

... denkt das leuchtkind angesichts der berufungsverfahren an der universität zürich und der absolutistischen machtspiele von männlichen professoren, deren seilschaften und ränkespiele mittels scheindemokratischen abstimmungen legitimiert werden sollen.

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Mittwoch, September 26



das isch d' passabene-kasse!

passa-bitte was? bin mit dem vollen korb instinktiv zur kasse gelaufen, vor der am wenigsten leute standen. aber um da zu bezahlen braucht man, nein, keine coop-card, man muss auch keine gesammelten punkte vorweisen, nein, man braucht eine passabene-zulassung (was auch immer das ist...).

nun gut, habe ich mich dann in eine der langen warteschlangen vor den anderen kassen gestellt (machen die nun extra wenig kassen auf, damit die leute aus purer verzweiflung dieses passabene-apparätchen kaufen?)

dort hat mir der verkäufer zuerst nicht glauben wollen, dass ich KEINE 95 rappen münz habe und mir dann 18 (achtzehn!) 50räppler als rückgeld gegeben (haben die nun kein kleingeld mehr in der kasse, damit alle in zukunft barggeldlos mit dem passabene-dings einkaufen?).

ach, war das leben noch einfach, als man im migroswagen und bei tante emma einkaufen konnte.....

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Sonntag, Mai 27



nocturnes: der blues des 19. jahrhunderts

diese nocturne von chopin drückt genau meine momentanen gefühle aus: traurigkeit, wut und hoffnung wild durcheinander. ich hab angst, dass wenn ich einmal beginne zu weinen, damit nicht mehr aufhören zu können. also schaue ich, anstatt zu weinen, dieses video.

(p.s. ich bin mir der übertriebenen melodramatik dieses beitrags bewusst und kann dazu nur, frei nach bob dylan, hinzufügen: "it's alright, i'm only bleeding". ok. das ist nicht weniger sentimental, aber wenigstens etwas cooler)

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Donnerstag, Mai 3



flashback in die kindheit II

weil ich gerade jetzt die erinnerung an zeiten, in denen die welt noch einfach war, dringend brauche.

"frederick?", fragte piggeldy seinen grossen bruder, "frederick, kannst du mich glücklich machen?"
"nichts leicher als das", meinte frederick. "komm mit!"




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Freitag, April 27



tal der tränen - tschernobyl heute





als fortsetzung des letzten beitrags gedacht...

durch lupe bin ich auf die magnum fotoreportage von paul fusco gestossen. sie ist englisch, die bilder jedoch sind in ihrer schockierenden eindringlichkeit verständlich ohne sprache. sie verstören, lassen einem fassungslos zurück.

vielleicht schaffen es diese bilder, die anti-atom-bewegung in der schweiz zu mobilisieren, die komatös darniederliegt, während die atomlobby alles daran setzt, das politische terrain "für ein neues AKW zu besetzen, sodass nun auch der bundesrat ein solches für notwendig ansieht." (heute im tagi online)

sp-chef hansjörg fehr fordert: "«es ist dringend nötig, dass sich möglichst rasch eine anti-atom-bewegung manifestiert.»" immerhin ist nun die sp aus dem koma erwacht...

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Mittwoch, April 25



"dieser ort wird für die nächsten 24'000 jahre gefährlich bleiben"

normalerweise lese ich morgens während eines schnellen kafis den ersten bund des tages anzeigers quer, um bei den letzten schlucken genüsslich die kehrseite nach nichtigkeiten der promiwelt zu scannen (prinz william und kate trennen sich! paris hilton verwechselt basel mit zürich!). das dauert, je nach weltlage, ca. 15 minuten (der erste bund, nicht die kehrseite....).

wird auf der seite "hintergrund" ein thema abgehandelt, das mich interessiert, lege ich den ganzen bund auf den spezialstapel "noch zu lesen", der im laufe eines monats immense höhen annehmen kann. der nächste logische schritt wäre nun, die artikel auch zu lesen - wenn das leben einer logik folgen WÜRDE... in der realität wandert der stapel in die papiersammlung und ich warte darauf, bis mir einer am hauptbahnhof einen flyer entgegenstreckt mit der botschaft "sie nutzen nur 15% ihres tages anzeiger-potentials...".

lange rede, kurzer sinn: heute war es anders. auf der hintergrundseite findet sich ein interessanter artikel von christian schmidt zum thema "atomsemiotik":

"WIE SCHREIBT MAN GEFAHR IN 10'000 JAHREN? Radioaktive Abfälle bleiben länger gefährlich, als Schriften und Symbole ihre Verständlichkeit bewahren. Wie sollen die Menschen im Jahr 12000 davon abgehalten werden, den Atommüll der Vergangenheit auszugraben?"

es ist eine verstörende vorstellung, dass unsere nachfahren, ähnlich der schatzgräber im tal der pharaonen, auf der suche nach überbleibseln der heutigen kultur ein atommüll-endlager aufbrechen. wie also die menschen der zukunft davon abhalten?

es gibt skurrile vorschläge wie die züchtung einer STRAHLENKATZE (siehe hier), die auf radioaktivität als lebendes warnzeichen mit verfärbung reagieren soll. um zu gewährleisten, dass unsere nachfahren dieses zeichen verstehen, müssten über märchen und mythen die speziell gefärbte katze als gefahrenzeichen im kollektiven bewusstsein der menschen verankert werden, z.b. über dichtung, malerei und musik.

JETZT MAL IM ERNST: FRAGT MAN SICH DA NICHT UNWILLKÜRLICH, WAS UNSERE VORFAHREN UNS MIT DEM SPRICHWORT "SCHWARZE KATZEN BRINGEN UNGLÜCK" ÜBERMITTELN WOLLTEN?!







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Montag, April 16



was ist psychisch gesund?

„Dies führt schliesslich dazu, seelische Gesundheit als summatives Konstrukt von psychischer Kompetenz (Fähigkeit zur Bewältigung externer und interner Anforderungen) und psychischem Wohlbefinden, konzipiert als emotionale Variable, zu definieren.“ (Schwenkmezger, 1991, S. 129)

es ist fabelhaft, zum thema der psychischen gesundheit zu forschen, denn man kann sich dann so wunderbar selber analysieren.
ist das, was meine gefühle mit mir machen, noch psychisch gesund? ist es ok, wenn am morgen trauer und wut mich auffressen, nur weil eine arbeitskollegin mir erzählt hat, dass sie schwanger ist? ist es beruhigend oder bedenklich, dass sonnenschein, ein nutella-brot und die musik von pippo pollina reichen, um mich innerhalb einer stunde auf die gegenüberliegende seite der gefühlsskala zu katapultieren?

die euphoriephase hat angehalten, bis ich am abend die resultate der zürcher wahlen gesehen habe. hier zumindest ist der fall klar: wer sich nicht fragt, was mit der sp los ist und sich nicht nervt, dass die grünen es nicht geschafft haben, mit einem kandidaten zur regierungsratswahl anzutreten, um den sitz von verena diener zu verteidigen, kann nicht als psychisch gesund gelten.

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Montag, April 9



fcz - basel

immerhin liegt die südkurve auf der sonnenseite des stadions.... und dank des alkohlverbotes habe ich nur cola und nicht bier in den haaren...
(ich kann positives in allem sehen, bin optimist)



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Sonntag, April 1



sensationsgeil und unsensibel

ich habe mich wieder mal hinreissen lassen und eine ausgabe des schweizer nachrichtenmagazins "facts" gekauft. der titel "wunsch kind. künstliche befruchtung: der leidensweg zum elternglück" hatte meine aufmerksamkeit geweckt. erhofft hatte ich mir einen sensibel geschriebenen bericht über betroffene und gut recherchierte informationen zur situation in der schweiz.

stattdessen vermixt der artikel die thematik mit fragen der präimplantationsdiagnostik und eizellspenden für 60jährige zu einem unerträglichen und sensationsgeilen artikel. er zieht die unerwünschte kinderlosigkeit ins lächerliche ("manche paare experimentieren mit asiatischen lehren, richten sich nach dem mondkalender...") und sitzt dem total überkommenen mythos auf, dass die frauen das problem sind.

es wird vom "dramatischen verfall weiblicher eizellen ab 35" gesprochen, um dann das einfrieren derselben an den pranger zu stellen. der satz "fortpflanzungsmediziner unternehmen noch weitere kapriolen um frauen zu einem wunschkind zu verhelfen." setzt dem ganzen die krone auf.

um frauen zu einem wunschkind zu verhelfen?! männer haben in der weltsicht von sonja kastilan offenbar wenig mit dem kinderkriegen zu tun und leiden nicht darunter, wenn es nicht klappt mit dem wunschkind.

wirklich ärgerlich. chance verpasst, ein aktuelles thema gut recherchiert abzuhandeln.

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Freitag, März 16



"frölein, eine runde prozac, bitte!"

mit ella fitzgerald und louis armstrong verabschiede ich mich in ein einsames wochenende. manchmal enthält mein leben einfach ein bisschen zu viel blues...

say nighty-night and kiss me
just hold me tight and tell me you'll miss me

while i'm alone and blue as can be
dream a little dream of me


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blues


gestern per zufall auf aeschbacher gezappt: andere bekommen 12 kinder, wir nicht mal eins. verdamminomal.

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Samstag, Februar 17



von disziplin und schlechtem gewissen

nach drei tagen müssiggang und zweisamkeit in dänemark musste ich alleine nach hause fliegen (und sass im flugzeug natürlich auf dem gangplatz neben jemandem, der die schuhe auszieht, die armlehnen okkupiert, dauernd hustet, und niest und auf einem zweistundenflug dringend aufs klo muss). und hier in zürich wartete nur das miese wetter und die immer noch nicht ganz fertige doktorarbeit auf mich.

jetzt ist zwar das wetter besser, aber die diss immer noch nicht fertig. der schlussspurt zieht sich in die länge und meine batterien sind leer. so werde ich also auch dieses wochenende nicht einfach in den tag hinausleben, sondern mich in disziplin üben. und da diese dann meist nach vier stunden arbeit zu bröckeln beginnt, verbringe ich den rest des tages mit einem schlechten gewissen.

wisst ihr, auf was ich mich am meisten freue, wenn dieses langzeit-projekt diss abgeschlossen ist?

NIE MEHR EIN WOCHENENDE MIT SCHLECHTEM GEWISSEN!

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Samstag, Januar 27



sch..... excel....

es musste ja so kommen, es lief alles viel zu gut... heute morgen dachte ich noch: haha, alle sagen, die schlussphase der diss ist ein stress, aber nicht für mich, ich hab gut geplant, bei mir läuft alles easy... und dabei habe ich vergessen holz anzufassen und jetzt habe ich den salat.

meine wunderbaren grafiken, die ich in stundenlanger arbeit in schönen orange-gelb-lindgrün-tönen in excel erstellt habe, haben über nacht ihre farbe wie von zauberhand gewechselt und kommen nun in kackbraun- mausgrau- kotzlila- schattierung daher.

habe ich was am excel verändert? nein. war sonst jemand an meinem computer? nein. hat excel selber entschieden, dass nun, in der diss-schlussphase, zeit wäre, um ein bisschen für action zu sorgen? oder steckt sogar microsoft dahinter? wer auch immer es war, er darf sich ab sofort meiner leidenschaftlichen abneigung gewiss sein.

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Dienstag, Januar 16



one of these days......


es gibt tage, da bekommt man nichts auf die reihe, da steht man so neben sich, dass man verzweifelt den "reset" knopf für den eigenen verstand sucht...

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Freitag, Dezember 1



akuter anfall von sehnsucht

eine fernbeziehung hat einige vorteile und meistens bin ich ganz glücklich, wie wir unser leben so leben zwischen zürich und kopenhagen.
doch manchmal springt mich die sehnsucht unverhofft von hinten an. heute hat sie mich in der waschküche kalt erwischt, als ich die wäsche von der leine nahm, die er vor ein paar tagen dort aufgehängt hatte. danach verdrückte ich beim "pferdeflüsterer" ein paar tränen, obwohl ich weder pferde, robert redford noch kristin scott thomas mag.
depressiönchen und sehnsucht - das wird langsam ein ganzes syndrom... gibts da auch ein mittelchen von avogel dagegen, liebe expertin? das wäre wahrscheinlich günstiger als der flug, den ich mir dieses wochenende leiste....

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Dienstag, November 28



blues

die november-depression ist mit 28 tagen verspätung bei mir eingetroffen. ich lasse sie bei kerzenlicht heisse schokolade trinken und mozarts requiem hören und hoffe, dass sie bald ein haus weiterzieht.

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Sonntag, November 5



jesus, die lungenliga und de ueli

gestern im kino. man macht es sich mit seinem liebsten gemütlich in den roten plüschsesseln und freut sich auf die kinowerbung, da man seit sieben jahren eine "kinowerbung-erraten-championship" austrägt.

auf der leinwand erscheint ein poulet. migros? coop? nein, werbung für fleischloses essen, denn "jesus war vegetarier". leicht irritiert versuche ich den nächsten spot nicht zu verpassen. ein paar in einer gestylten bar, er zündet ihr eine zigarette an (parisienne? barclay?), man sieht ihre manikürten hände (doch maybelline new york?) und dann beginnt die schöne zu husten. und sie hustet und hustet, bis sie ihre lunge ausspuckt.... (lungenliga, aha!) zwei spots später, zwischen der werbung für opel corsa (c'mon!) und swisscom (mit den zwei gebissen im glas auch nicht gerade appetitlich), leinwandfüllende blutige pelztiere in zu engen käfigen.

was kommt als nächstes? schöne landschaften mit wilden mustangs im vordergrund. cowboys kommen ins bild, zoom auf den ganz rechts (marlboro?). zuerst erkennt man ihn kaum wegen der ausladenden krempe seines hutes, doch dann sagt er: guetenabig, ich bi de nationalrat ueli muurer...

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Samstag, Oktober 28



eine schlaflose nacht heute....

die halbe nacht wach im bett - wäre ich poet und genial wie rilke, hätte ich genau das nachfolgende gedicht geschrieben:



Ich bin derselbe noch

Ich bin derselbe noch, der kniete
vor dir in mönchischem Gewand:
der tiefe, dienende Levite,
den du erfüllt, der dich erfand.
Die Stimme einer stillen Zelle,
an der die Welt vorüberweht, -
und du bist immer noch die Welle
die über alle Dinge geht.

Es ist nichts andres. Nur ein Meer,
aus dem die Länder manchmal steigen.
Es ist nichts andres denn ein Schweigen
von schönen Engeln und von Geigen,
und der Verschwiegene ist der,
zu dem sich alle Dinge neigen,
von seiner Stärke Strahlen schwer.


Bist du denn Alles, - ich der Eine,
der sich ergiebt und sich empört?
Bin ich denn nicht das Allgemeine,
bin ich nicht Alles, wenn ich weine,
und du der Eine, der es hört?

Hörst du denn etwas neben mir?
Sind da noch Stimmen außer meiner?
Ist da ein Sturm? Auch ich bin einer,
und meine Wälder winken dir.

Ist da ein Lied, ein krankes, kleines,
das dich am Micherhören stört, -
auch ich bin eines, höre meines,
das einsam ist und unerhört.

Ich bin derselbe noch, der bange
dich manchmal fragte, wer du seist.
Nach jedem Sonnenuntergange
bin ich verwundet und verwaist,
ein blasser Allem Abgelöster
und ein Verschmähter jeder Schar,
und alle Dinge stehn wie Klöster,
in denen ich gefangen war.
Dann brauch ich dich, du Eingeweihter,
du sanfter Nachbar jeder Not,
du meines Leidens leiser Zweiter,
du Gott, dann brauch ich dich wie Brot.
Du weißt vielleicht nicht, wie die Nächte
für Menschen, die nicht schlafen, sind:
da sind sie alle Ungerechte,
der Greis, die Jungfrau und das Kind.
Sie fahren auf wie totgesagt,
von schwarzen Dingen nah umgeben,
und ihre weißen Hände beben,
verwoben in ein wildes Leben
wie Hunde in ein Bild der Jagd.
Vergangenes steht noch bevor,
und in der Zukunft liegen Leichen,
ein Mann im Mantel pocht am Tor,
und mit dem Auge und dem Ohr
ist noch kein erstes Morgenzeichen,
kein Hahnruf ist noch zu erreichen.
Die Nacht ist wie ein großes Haus.
Und mit der Angst der wunden Hände
reißen sie Türen in die Wände, -
dann kommen Gänge ohne Ende,
und nirgends ist ein Tor hinaus.


Und so, mein Gott, ist jede Nacht;
immer sind welche aufgewacht,
die gehn und gehn und dich nicht finden.
Hörst du sie mit dem Schritt von Blinden
das Dunkel treten?
Auf Treppen, die sich niederwinden,
hörst du sie beten?
Hörst du sie fallen auf den schwarzen Steinen?
Du musst sie weinen hören; denn sie weinen.

Ich suche dich, weil sie vorübergehn
an meiner Tür. Ich kann sie beinah sehn.
Wen soll ich rufen, wenn nicht den,
der dunkel ist und nächtiger als Nacht.
Den Einzigen, der ohne Lampe wacht
und doch nicht bangt; den Tiefen, den das Licht
noch nicht verwöhnt hat und von dem ich weiß,
weil er mit Bäumen aus der Erde bricht
und weil er leis
als Duft in mein gesenktes Angesicht
aus Erde steigt.

Rainer Maria Rilke, 18.9.1901, Westerwede

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