
die grauen herren haben vor ein paar jahren das leuchtkind besucht. dieses hatte die zeit gemächlich verbracht: studiert - alles was ihm interessant erschien und nicht nur das, was auf dem pflichtenheft stand; ein klavier gekauft, auf dem es jeden tag mindestens eine stunde übte; gezeichnet, einfach nur um des zeichnens willen; gelaufen, ohne ziel.
dann im jahr 2002 kamen die grauen herren und boten ihm ein zeitkonto an: das leuchtkind sollte zeitsparen und alle überflüssige zeit fürs alter aufsparen. denn: gesparte zeit ist doppelte zeit!
das leuchtkind teilte sich ab sofort die zeit besser ein: es arbeitete täglich fleissig bis abends um sieben, übernahm jede aufgabe, die interessante inhalte und anerkennung verhiessen. wenn es dann abends um acht nach hause kam, war es zu spät, um klavier zu spielen; zu erschöpft, eine zeichnung zu beginnen; zu dunkel, um einen spaziergang zu machen.
das zeitsparen führte dazu, dass das leuchkind kaum mehr konzentriert einer sache nachgehen konnte: arbeiten korrigieren, mails beantworten und blogs lesen parallel; einfach zu essen erschien ihm als zeitverschwendung, es las daneben die zeitung oder schaute fern; hatte es urlaub, nahm es die fachbücher mit, die zu lesen es vorher keine zeit fand. es konnte die freie zeit nicht mehr geniessen ohne ein schlechtes gewissen zu haben. sein ganzes leben stellte es unter den stern der leistung.
aber heute löst es sein zeitkonto auf. freizeit ist freie zeit, ab sofort. die tätigkeiten werden entflechtet:
"wenn du gehst dann gehe. wenn du sitzt, dann sitze. und vor allem: schwanke nicht."(zen weisheit)
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